Strategien im Umgang mit Angst und welche Ängste Topmanager bewegen

Auch Topmanager haben Ängste.

Bei Managern und Führungskräften ist Angst jedoch immer noch ein Tabuthema.

Welche dies sind und welche Strategien du beim Thema Angst einzusetzen kannst, erfährst du hier.



Einstieg


Heute also das Thema Angst. Ich möchte dich einfach fragen, wann habt ihr das letzte Mal über das Thema Angst gesprochen? Und mit wem habt ihr das getan? Denn das Thema Angst ist nach wie vor immer noch ein Tabu-Thema, gerade im beruflichen Kontext. Und ich möchte hier zwei Aussagen zur Angst mit euch teilen, die ich sehr schön finde. Und die eine sagt aus, dass Angst der Schlüssel zur Ausbildung von Selbsterkenntnis ist. Das heißt, wenn wir Angst haben, ist das wie ein Geschenk, wie ein Schlüssel, der uns helfen kann, einfach mal eine Tür zu öffnen und zu gucken, ok, was lerne ich von mir jetzt noch ein bisschen besser kennen? Und was sagt es über mich selbst aus? Über meine Bedürfnisse, über vielleicht auch Vergangenes? Was auch immer, ich will auch gar nicht weiter so spezifisch werden, sonder eher gucken, was gibt die Angst über uns preis? Oder wo führt sie uns hin, wo wir uns selbst noch ein bisschen besser kennenlernen können. Uns einfach erkennen können, weshalb wir Angst haben.

Die zweite Aussage ist, wir nehmen alle Wünsche, Sorgen, Bedürfnisse und Gefühle mit auf Arbeit und das bedeutet natürlich auch, dass unsere Ängste da mitgehen. Und auch da einfach ganz selbstverständlich in uns vorhanden sind. Früher hat man gesagt, dass man seine Persönlichkeit nicht an der Pforte zur Fabrik, früher gab es ja auch noch öfter Pförtner, abgeben kann. Und genauso wenig ändert man seine Ängste irgendwie, wenn man auf Arbeit geht. Der Unterschied wird jetzt vielleicht noch klarer, wenn wir halt nicht mehr irgendwohin hingehen und oft im Home-Office sitzen. Man ist ja der gleiche Mensch, der einfach mal eine Tür öffnet, und sich jetzt vor den Rechner setzt und vielleicht noch ein Jackett anzieht. Aber wir sitzen zu Hause sogar, und wir sind die gleichen. Und das ist natürlich auch auf Arbeit so, auch wenn wir uns da natürlich etwas anders benehmen, oder teilweise andere Verhaltensweisen an den Tag legen.


Studie


Ich möchte eine Studie vorstellen. Die Studie stammt aus dem Buch von Harding G. (2012) Ausblick. In: Topmanagement und Angst. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Und zwar hat diese Studie Top-Management und das Thema Angst untersucht und dabei sind drei Ängste benannt, die eindeutig bei Top-Managern vorhanden sind. Und zwar ist das die Angst vor dem Unbekannten, Existenzängste und Versagensängste.

Die Angst vor dem Unbekannten meint, dass die Bestimmungsgewalt einem genommen wird. Und, also es geschieht einem etwas, man kann es nicht geschehen lassen. Und das können zum einen Umstände sein, oder andere Personen. Bei den Umständen, stand hier Krankheit an erster Stelle, oder im Vordergrund. Aber wer kennt das nicht, jede Führungskraft, jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin wird das kennen, dass bei einer Fusion, oder auch bei einer anderen Ausrichtung der Firma auch sofort einem die Bestimmungsgewalt ein Stück weit genommen wird und man ein Stück weit der Situation ausgesetzt ist. Es können aber auch andere Personen sein und das war in diesem Fall bei den Top-Managern andere Vorstandskollegen. Ich denke, jeder, der jetzt nicht im Top-Management tätig ist, wird das auch kennen, dass man anderen Personen auf der Arbeit durchaus ausgesetzt sein kann. Das kann natürlich der Chef sein, das kann aber auch sein, wenn man neu in eine Gruppe kommt, wo man sich noch nicht so zurechtfindet, dass man auch da in gewisser Weise den anderen Mitarbeitern ausgesetzt ist. Oder in einem Projekt, bis zu einem gewissen Maß natürlich auch, das kann sich auch wieder legen. Aber dieses Gefühl, dass man halt nicht Bestimmungsgewalt hat und dass man nicht der Entscheider ist, sodass man abhängig ist von einer anderen Person, das kann denke ich jeder nachvollziehen.

Die zweite Angst sind Existenzängste. Finanzielle Ängste natürlich für die eigene Person, die Familie. Und bei den Top-Managern ging es da vorwiegend um den Lebensstandard, der nicht gehalten werden kann. Könnte man vielleicht sagen, die fallen da vielleicht irgendwie weich, aber man muss sich vor Augen halten, wenn es um die eigene Existenz geht, dann geht es nicht darum, ob man es im Vergleich zu anderen leichter oder schwerer hat, oder wie die eigene Existenz aufgestellt ist. Die Bedrohung liegt darin, dass die Existenz sich verändert und dass sich die eigene Existenz auf eine Art und Weise verändert, die halt Ängste auslöst. Und das kann man vielleicht manchmal nicht rational nachvollziehen, es liegt bei jedem selbst. Jeder Mitarbeiter, oder jede Führungskraft wird das vielleicht kennen, dass auch schon mal ein Mitarbeiter zu einem kam und gesagt hat: „Mensch, du, kann ich die Überweisung für nächsten Monat schon mal ein bisschen früher haben? Ich habe einen Kredit am Laufen.“ Und natürlich so bald ich einen Kredit habe, oder sobald ich vielleicht auch irgendwie in eine andere Wohnung umziehen muss oder irgendwas, alles was die eigene Existenz in irgendeiner Form bedroht, weil eine Veränderung von statten geht, die ich nicht beeinflussen kann, all das kann Ängste auslösen.

Die Versagensängste, auch diese denke ich sind nicht begrenzt auf Top-Manager in dem Fall. Und da scheitert man einfach, oder es ist die Angst davor zu scheitern, an eigenen Erwartungen, oder an den Erwartungen anderer. Auch da ist jeder, der ein bisschen perfektionistisch unterwegs ist, wie zum Beispiel die Angst, vor den eigenen, selbst gesteckten Zielen zu scheitern, durchaus kennen.


Studie Takeaways


Die Studie hat fünf Key-Takeaways. Die erst ist, dass jede, die viel arbeitet, auch andere Interessen haben sollte. Dass man sich Interessen außerhalb der Position, die man innehat sucht, sodass für den Fall, dass diese Position wegfällt, oder ausläuft, weil man in Rente geht, oder irgendeine Veränderung in ungewünschter Form kommt, dass dann nicht so ein großer Identitätsverlust droht. Ein Hobby oder ein Interesse außerhalb und unabhängig von Arbeit kann helfen.

In dieser Studie wird auch ein Plädoyer für den offenen Umgang mit Gefühlen gehalten. Und besonders hochrangige Führungskräfte werden dazu aufgerufen dies zu tun, und dies damit vorzuleben. So eine Veränderung geht nach meiner Erfahrung am besten von oben nach unten. Dass nämlich die Leute, die oben sind vorleben, was die anderen dann bereitwillig und leichter auch tun können.

In der Studie wird darauf verwiesen, dass Emotionen ein ständiger Begleiter menschlichen Handelns sind. Diese Diskussion kenne ich und habe sie auch schon geführt, ist meine Entscheidung jetzt rational oder ist sie emotional? Und ich höre von Managern, oder auch von Führungskräften immer wieder, ihre Entscheidungen wären rational. Es ist eine rein rationale Entscheidung. Ich möchte die Diskussion hier gar nicht aufmachen. Ich behaupte jedoch, dass keine Entscheidung, oder dass keine Handlung rein rational geht. Ich glaube, dass wir einfach mal Menschen immer sind, wo die Emotionen unbedingt dazugehören, die uns auch, ob wir wollen oder nicht, bewusst oder unbewusst, in irgendeiner Art und Weise steuern oder beeinflussen. Wenn irgendjemand das anders sieht, bin ich sofort dabei und sage, wir können auch gerne unterschiedliche Meinungen haben, deswegen will ich keine Diskussion aufmachen und keine überzeugen. Ich habe jedoch eine ganz klare Meinung dazu und denke, dass wir einfach mal nicht nur Fleisch und Blut und nicht nur Ratio sind, sondern auch immer Emotionen haben. In dieser Studie wird noch dafür plädiert, dass der Ausschluss von Emotionen und Angst eigentlich unmenschlich sind. Und dem kann ich mich nur anschließen.

In der Studie ist noch ein Takeaway, dass Angst ein Schutzmechanismus ist, das wird vermutlich jeder wissen. Nur wenn man genauso rangeht, wovor will mich denn die Angst eigentlich schützen? Oder war das ein Schutzmechanismus? Ja klar, logisch. Weiß man ja. Dann gehe ich vielleicht anders damit um, als wenn Angst etwas ist, was nicht sein darf, was nicht en vogue ist. Was nicht „in“ ist, oder was mich irgendwie in meinem Selbstbild bedroht. Angst kann schützen und wir können gucken, wovor sie uns schützen möchte und wie wir jetzt damit umgehen.

Ein Ziel was diese Studie noch rausgibt, ist, dass sich die Unternehmenskultur ändert und dass Gefühle und Unsicherheiten nicht als Schwäche gelten. Und auch das kann ich nur unterstreichen, wenn man vorlebt und wenn man probiert, die Mitarbeiter immer wieder zu ermutigen sich zu zeigen, auch ihre Emotionen zu zeigen und diese nicht zu verstecken, ändert sich das Betriebsklima und dann ist da eine andere Unternehmenskultur und eine, in der man auch mal sagen kann: „Oh man, mir geht hier gerade der Arsch auf Grundeis.“ Und dann bekommt man vielleicht einen Schulterklopfer, vielleicht sogar eine Umarmung, oder einfach ein paar aufbauende Worte, die einem in dem Moment helfen. Und sollte man noch mehr Hilfe brauchen, weiß man wo man hingehen kann, oder an wen man sich wenden kann. Oder fühlt sich zumindest da entsprechend nicht ausgegrenzt. Ich will das Thema Angst an dieser Stelle gar nicht bagatellisieren, denn Angst ist so vielfältig und kann wirklich so bedrohlich sein, dass es sich wirklich lebensbedrohlich anfühlt. Aber ich möchte auch dafür plädieren, oder euch ermutigen, es gibt Strategien, um besser mit der Angst zu leben. Wenn man mit der Angst überhaupt nicht mehr leben kann, wenn sie sich wirklich lebensbedrohlich anfühlt, kann ich nur jeden ermutigen, sich an die Notaufnahme zu wenden, oder einem Freund anzuvertrauen, der einen hinbringt. Es gibt auch genug Hilfsangebote, wo man hingehen kann mit einem Termin und wo einem auch da mit professioneller Hilfe, mit einem Therapeuten geholfen werden kann. Angst ist nicht zu bagatellisieren unter keinen Umständen.


Umgang mit Angst


Und doch gibt es da natürlich eine große Bandbreite und ich ermutige dich, dass du, wenn du Ängste hast probierst, mit ihnen proaktiv umzugehen. Und dass du aktiv wirst. Und dafür möchte ich jetzt ein paar Strategien zeigen. Als erstes ist es der Gedanke, es ist nie die Situation, welche die Angst auslöst, sondern immer die eigene Interpretation. Noch mal, es ist nie die Situation, welche die Angst auslöst, sondern immer die eigene Interpretation. Was ist damit gemeint? Ich habe ein paar Beispiele, die es besser erklären. Wenn ich einem Bär in freier Wildbahn begegne, hätte auf jeden Fall Angst. Und wenn ich aber einen Bär vor mir sehe und da sind Gitterstäbe dazwischen, weil er in einem Käfig ist, hätte ich wahrscheinlich überhaupt keine Angst. Dennoch gibt es Menschen, die, obwohl Gitterstäbe da sind, supergroße Angst vor diesem Bär hätten, weil Bären ihnen Angst machen. Und genauso wird es Menschen geben, wenn sie in freier Wildbahn einem Bären begegnen, also ich denke jetzt an Kanada, wo durchaus auch mal die Mülltonnen durchwühlt werden, und man erlebt das schon zum 18. oder 20. Mal, dann wird derjenige, der da lebt, oder wird es Menschen geben, die da leben, die da einfach keine Angst mehr empfinden, weil sie die Situation einzuschätzen wissen. Das heißt, gleiche Situation, anderer Mensch, und trotzdem sind manchmal Ängste da und manchmal nicht. Die Aussage, dass es nicht die Situation ist, sondern dass es im Grunde wir sind, unsere Interpretation, soll ermutigen, dass wir erkennen, dass die Angst in uns liegt. Und das in manchen Situationen schon eine andere Beschreibung der Situation uns helfen kann, diese Angst nicht mehr so bedrohlich zu empfinden, oder dass sich da grundsätzlich etwas ändert. Also andere Beschreibungen können helfen und indem wir an unsere Glaubenssätze rangehen und gucken, ob sie dienlich und in welche Richtung sie wirksam sind. In den meisten Fällen haben wir Handlungsspielraum, wenn es um das Thema Angst geht und können damit arbeiten. Manche Wege sind sehr lang und ich musste daran denken, dass es, ich weiß nicht in welcher deutschen Stadt das war, da ging es um eine Therapie gegen Angst. Und zwar ging es da um Höhenangst. Und man hat die Leute immer weiter da ran geführt, und zwar hat man sich da einen hohen Turm genommen und die Glasscheiben ganz oben in der Aussichtsplattform waren schräg. Das heißt, man konnte sich ran legen, sodass man so das Gefühl hatte, man liegt über dem Abgrund, quasi da, wo es runtergeht. Und man hat mit diesen Menschen über längere Zeit, ich weiß nicht, welchen Zeitraum, gearbeitet. Und am Ende haben es diese Menschen, natürlich auch nicht alle, wirklich geschafft, sich da raufzulegen auf dieses Glas und ihre Angst auszuhalten, oder anders damit umzugehen. Diese Angst war nicht mehr so bedrohlich, wie bevor sie diesen Kurs oder diese Gruppe besucht haben. Und sie schien händelbarer in dem Moment, also konnten sie sich an die Scheibe legen. Und jede die vor irgendwas Speziellem Angst hatte wird wissen, wie groß dieser Schritt ist. Und auf einmal ist die Angst vielleicht noch da, aber ich kann damit leben und kann damit anders umgehen.

Ein erster Schritt kann sein, dass man die Angst akzeptiert. Es gibt Konzepte, wo man die Angst einlädt, oder willkommen heißt und mit ihr spricht, indem man sie vergegenständlicht und mit ihr so Kontakt aufnimmt. Einfach um sie für sich greifbarer zu machen, und eine andere Beziehung zu ihr aufzubauen. Also in dem Moment, wo ich also zum Beispiel bleiben wir bei dem Bär, wenn ich einfach mal dem Bär in Form einer Playmobilfigur nehme und ihn vor mich hinstelle und damit eine Beziehung aufbaue zu dieser Angst und mit ihr spreche und gucke, was sie mit mir macht. Und diesen Platzhalter vielleicht sogar zu einem echten Bären mitnehme, der hinter Gittern ist, der mir davor auch Angst gemacht hat, und da probiere zu trainieren, dann kann es sein, dass ich etwas ändern kann. Also Vergegenständlichung und dass man die Angst akzeptiert, können durchaus ein Schlüssel sein.

Ein anderer Schlüssel kann auch sein, dass man den Fokus verändert. Manchmal ist es so, dass Angst in uns ganz viele Schlaufen macht. Ganz viele Schlaufen immer und immer wieder. Und wir beschäftigen uns damit und immer wieder und immer wieder, und nochmal. Und in dem Moment, wo wir den Fokus probieren, bewusst zu verändern und sagen, stopp, ich verändere jetzt meinen Fokus. Ich mache ein einfaches Bespiel, jedes andere geht auch. Ich gehe ans Fenster und beschreibe für zehn Minuten, was ich draußen sehe und ich schreibe es auf. Das ist eine Fokus Veränderung, was durchaus auch helfen kann diesen Kreis zu durchbrechen, dass man immer wieder auf die eigenen Ängste fokussiert. Alternative Beschreibungen können auch helfen. Also vielleicht ein Beispiel aus der Arbeitswelt, ich habe einen Chef, der so krass ist, ich komme nicht mit klar, ich habe echt Angst auf Arbeit zu gehen. Was wäre eine alternative Beschreibung? Alternative Beschreibung könnte sein, da muss jetzt jede für sich probieren, was für sie passt. Ich überlege gerade, was für mich passen würde. Für mich würde passen, ich habe die Chance, wenn ich möchte zu kündigen und ich entscheide mich heute nochmal auf Arbeit zu gehen, um ihm nochmal eine Chance zu geben, besser mit mir umzugehen. Eine Alternativbeschreibung könnte sein, im Moment merke ich gerade die Angst, die er mir macht, ich halte sie aus, ich gucke sie mir an und ich nehme eine Position ein, in der ich mich sicher und stark fühle. Und das trainiere ich dann so lange mit dieser alternativen Beschreibung, oder mit dieser Haltung, dass ich ihm dann anders gegenübertreten kann. Aber auch dies braucht Training. Und manchmal sind es auch zeitliche Sachen, dass man sagt, na ja, noch schaffe ich nicht die Angst zu überwinden, aber bald. Das sind alles Ansätze, die man gehen kann, und mit denen man arbeiten kann. Ich lade jede dazu ein.

Eine weitere Möglichkeiten ist, sich aus dem Netz eine Meditation rauszusuchen. Einfach, weil man durch die Meditation auch nochmal eine andere Haltung zu Sachen einnimmt. Meine persönliche Erfahrung ist, dass ich wirklcih ruhig werden kann und Ängste, oder auch unangenehme Sachen nicht so nah rankommen in dem Moment, wenn ich in meiner Ruhe bin und meditiere. Wenn man es körperlich mag, gibt es die Muskelrelaxation nach Jacobsen, auch die kann sehr entspannend sein. Und auch da ist man sehr bei sich und seinem Körper. Und auch das kann für eine Distanz zur Angst sorgen. Im Netz findest du eine Menge nützliche Übungen dieser Art. Guckt einfach mal, ob für euch was dabei ist, oder was ihr da für euch anwenden könnt.

Ich möchte aber auch nicht versäumen auch meine, oder eine Angst von mir durchaus hier zu zeigen. Es liegt in der Vergangenheit, es war ein großes Projekt, ein großes norddeutsches Krankenhaus, wir haben für den Betrieb der Servicegesellschaften die Ausschreibung gewonnen und sollten die Servicegesellschaft übernehmen. Diese sollten auf neue Füße gestellt werden. Aus Deutschland und Österreich kamen ich weiß nicht mehr wie viele, ich glaube ca. 15 Manager angereist. Es wurde eine intensive Anfangsphase. Das Miteinander war ganz gut, aber teilweise etwas ruppig, es gab gegenseitige Anschuldigungen innerhalb des Teams, die geäußert wurden. Es war schon ordentlich, was da abging. Und wir haben viel gearbeitet und natürlich waren auch die Vorbehalte von den Mitarbeiterinnen aus den Servicegesellschaften, welche aus dem Krankenhaus kamen, gegenüber uns erheblich. Und irgendwann kam der Projektleiter zu mir und sagte: „André pass mal auf, in dem einen Schrank da hinten im einen unserer Büros, die uns zur Verfügung gestellt wurden, sind noch einige Akten. Die sind nicht von uns, die sind von denen. Ich möchte, dass du heute nach Feierabend die hier bitte alle irgendwie duplizierst. Und lass dich auf keinen Fall erwischen.“ Und das stürzte mich in Ängste. Das hat mich die nächsten drei Nächte sehr wenig schlafen lassen und ich weiß bis heute nicht, warum ich nicht einfach nein gesagt habe. „Nein, dass können sie vergessen, wir sind hier beim Kunden, das mache ich nicht. Suchen sie sich jemand anderen.“ Das habe ich nicht hinbekommen. Ich war mit Abstand der Jüngste, und wollte mich unbedingt profilieren und zeigen. Aber ja, in dieser Zeit gab es halt einiges, was mich an Angst durchzogen hat und das waren natürlich Versagensängste, den Anforderungen nicht gerecht zu werden. Auch Existenzängste, was ist, wenn du jetzt aus dem Projekt raus musst? Wie sieht es aus, hast du in der Firma überhaupt noch eine Zukunft? Verlust von Status und auch von dem was ich glaubte gefühlt erreicht zu haben. Und natürlich hatte ich auch Selbstvorwürfe, weil ich nicht zu mir gestanden habe, und auch das hat mich irgendwie geängstigt, dass ich da irgendwie nicht in dem Moment einfach zu mir stehen kann. Aus heutiger Sicht hätte ich es anders machen können. Ich bin heute damit einigermaßen d’accord. Aber noch heute gibt es Momente, wo ich daran zurückdenke und auch diese Ängste heute immer noch erinnere und denke, man, das war eine intensive Zeit. Ja, also ich werbe gerne dafür an dieser Stelle, dass jeder auch mal guckt, ob man nicht einfach ein bisschen offener mit seinen Ängsten umgehen kann. Man muss ja nicht alles offen tun, aber man könnte mal probieren locker darüber zu sprechen.


Alle Menschen haben Ängste. Es gibt Strategien um besser damit umzugehen. Es gibt auch Hilfsangebote, wenn es schon einfach zu weit fortgeschritten ist, die man bitte in Anspruch nehmen soll. Und ich ermutige jeden sich zu öffnen, was das Thema Ängste angeht bei sich und auch bei anderen. Und auch die Strategien einfach ausprobieren, welche einem helfen.