Wieso Humor und Führung zusammen gehören

Gehen Humor und Führung zusammen?

Wir gucken uns an, was Humor mit der Beziehung zu den Mitarbeitern macht. In welcher Art und Weise ich Humor anwenden kann und worauf in der Praxis zu achten ist.



Einstieg


Humor und Führung. Geht das zusammen? Wird man da überhaupt noch ernstgenommen? Nähern wir uns doch mal an diesem Thema mit ein paar Facts. Zum Beispiel, als Kind lacht man 200-mal am Tag. Als Erwachsener noch 15- bis 20-mal am Tag. Auf Arbeit sind es fünfmal und weniger. Man sagt, Lachen dient dem Spannungsabbau. Studien zeigen, dass fröhliche Menschen sympathischer wirken und sie werden als kompetenter wahrgenommen. Durch gemeinschaftliches Lachen kann in einer Gruppe wieder die Handlungsfähigkeit hergestellt werden. Lachen dient auch als verbindende Kraft zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Kritische Entscheidungen werden eher von Mitarbeitern angenommen oder mitgetragen, wenn sich die Führungskraft als humorvoll erweist. Humor führt vor allem in Krisensituationen zu einem festeren Miteinander.


Studie


Nun ganz konkret eine Studie, die ganz klar dafürspricht, dass Humor und Führung durchaus zusammengeht. Es handelt sich um die folgende Studie. Alexander Pundt und Felicia Herrmann: Affiliative and aggressive humour in leadership and their relationship to leader-member exchange. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 88, 2015, 108–125. Bei dieser Studie wurde eine Abfrage gemacht. Zum einen wurde der Humor der Führungskräfte beurteilt und die Beziehung auf der anderen Seite zu den Führungskräften wurde auch abgefragt. Das über einen gewissen Zeitraum immer wiederholend. Welcher Humor wurde abgefragt? Man hat unterschieden zwischen sozialem Humor, das ist Humor, der nicht durch den Dreck zieht, der wohlwollend ist, der positiv ist. Also kurz gesagt, da wird Humor benutzt, um Beziehung zu anderen Menschen zu verbessern. Der andere Humor, der sich angeguckt wurde, war aggressiver Humor. Das ist Humor auf Kosten anderer. Kennt jede, auslachen, verspotten. Dabei wird der Humor dazu benutzt, um andere herabzusetzen. Das Ergebnis war, dass die Beziehung zu Führungskräften, die häufiger sozialen Humor benutzen, als positiver bewertet wurde als zu den Führungskräften, die aggressiven oder keinen Humor anwendeten. Und mit den Führungskräften, die häufiger sozialen Humor anwandten, fand eine höhere Identifikation statt. Eine Vermutung der Forscher war, dass sozialer Humor als Angebot gesehen wird, sich mit der Führungskraft zu identifizieren. Aggressiver Humor hingegen führte laut dieser Studie eher zu Distanz. Also ist dies ganz klar ein Signal, dass man Humor durchaus in seinen Führungsalltag mit reinnehmen kann und dass es in der Regel positiv von den Mitarbeitern bewertet wird.


Anwendung mit Beispielen


Wie kann ich Humor anwenden? Ich kann übertreiben oder untertreiben. Also sowas wie: "Fehler? Hier? Nein. Gibt es nicht. Bei uns nicht." Man kann etwas Unerwartetes tun oder sagen. In der finalen Phase, wenn man gerade ein Projekt oder ein Produkt fertigmacht, je nachdem, einfach in die Runde zu gehen und zu fragen: "Brauchen wir den Kunden wirklich? Wenn ich mir das alles angucke, was wir hier machen müssen. Brauchen wir den?" Auch nur ein Beispiel. Eine andere Sache ist die Veränderung von Alltagssituationen, also Sachen, die wiederkehrend passieren. Einen Ablauf, eine Struktur unterbrechen oder einen Meeting-Ablauf einfach verändern. Wenn man zum Beispiel das Gefühl hat, dass die Luft gerade raus ist, zu sagen: "Damit wir alle nicht das Atmen vergessen und uns erinnern, wie es geht, atmen wir einmal alle ganz tief ein und wieder aus." Wenn man das noch ein bisschen süffisanter formuliert, dann kommt sowas auch noch besser an.


In der Praxis


Was ist in der Praxis noch wichtig zum Thema Humor und Führung? Die gute Nachricht, Humor kann man üben, also immer wieder und gucken, wie es ankommt. Man sollte es auch üben. Man sollte auch immer gucken, ist das nur für mich jetzt lustig? Oder findet das der andere auch lustig? Da sollte man genau hingucken, ob der andere den Humor auch versteht und ob es eher dazu führt, dass sich die Verbindung oder die Beziehung eben verbessert oder ob unerwünschte Effekte vielleicht sogar auftreten. Da sollte man immer ganz genau hingucken. Was man auch noch das zu üben sollte, ist im Alltag zu gucken. Es gibt im Alltag immer wieder Situationen, die etwas skurriles haben. Man kann lernen einen Blick zu entwickeln, was teilweise doch auch alles Lustiges passiert und wohlwollend und auch freundlich darauf hinweisen und gemeinsam mit anderen darauf blicken, um Humor noch bewusster oder geplanter mit in den Führungsalltag einzubauen.

Was auch wichtig ist in der Praxis, das ist, wie die Verbindung zu anderen ist. Wenn ich jemanden sehr gut kenne, habe ich eine ganz andere Verbindung und kann einen ganz anderen Scherz machen oder einen ganz anderen Witz, als wenn ich mit der Mitarbeiterin erst kurz zusammenarbeite. Man muss auch in manchen Branchen gucken oder in manchen Business-Umfeldern, da ist das einfach manchmal schlichtweg nicht angebracht. Da muss man gucken, wie weit man gehen kann und was dort passt. Aber dass es gar nicht geht, das denke ich nicht. Ich denke, dass auf jeden Fall, wenn man sich dafür entscheidet auch gerne mal Humor mit einfließen zu lassen, ein Weg möglich ist, um mit einem Augenzwinkern wohlwollend die Situation aufzulockern. Das kann zum Beispiel sein, wenn irgendwas nicht ganz so gut läuft und dass man zum Mitarbeiter hingeht mit einem Zwinkern und sagt: "Komm, wir tun einfach so, als hätte es keiner gesehen." Auch das ist eine Art von leichtem Humor. Was auch noch wichtig ist oder was man durchaus tun sollte, wenn man Humor anwendet, man sollte einen Perspektivwechsel durchführen und gucken, dass ich die Person, mit der über den Humor interagiere, besser kennenlerne. Das ich mich für sie interessiere und auf sie eingehe. Dann kann ich das Instrument Humor viel besser nutzen und kann gucken, ob gewisse Sachen passen. Zum Beispiel könnte man wissen, ob die folgende Situation realistisch ist. Nämlich das Kind von einem Mitarbeiter ist irgendwie krank und er musste noch einen Babysitter organisieren und kommt schon relativ spät. Dann passiert auch noch ein Fehler. Zu ihm hinzugehen und zu sagen: "Ganz ehrlich, Chuck Norris hätte es auch nicht besser gemacht in der Situation. Also Kopf hoch." Muss man wissen, ob das passt. Muss man ein Gefühl für haben und auch wissen, wie die Person auf so was vermutlich reagiert. Ich lade herzlich dazu ein sich auszuprobieren und einfach zu gucken, wie ihr Humor bei euch mit in die Führung mit reinnehmen könnt.

Ich möchte noch ein Zitat von Charly Chaplin dazu vorlesen, was sehr schön dazu spricht. „Durch den Humor sehen wir im scheinbar Rationalen das Irrationale. Im scheinbar Bedeutenden das Unbedeutende. Er stärkt auch unsere Fähigkeit zu überleben und bewahrt uns die klare Vernunft. Der Humor sorgt dafür, dass die Bösartigkeit des Lebens uns nicht ganz und gar überwältigt. Er regt unseren Sinn für Proportionen an und lehrt uns, dass in der Überbetonung des Ernsten das Absurde lauert.“


Und eigentlich würde an dieser Stelle das Fazit kommen, aber da ich dazu eigentlich überhaupt keine Lust habe gerade hier ein Fazit zu ziehen, möchte ich lieber noch eine schnöde Studie an dieser Stelle zitieren. Nämlich hat ein sehr renommiertes Institut herausgefunden, dass die Hörer dieses Podcasts in der Regel ein höheres Einkommen haben, sie gelten als schöner, klüger, sind fast perfekt in ihrer Life-Balance und sie sprühen vor Güte und Freundlichkeit. Und ganz ehrlich, ich muss sagen, ich bin sehr stolz darauf so eine Hörerschaft zu haben.